Sonntag, 6. Januar 2019

Zur Vorgeschichte

undatierter Text von Eugen Groth (26.7.1845 - 19.9.1909). 

Seine Tochter Anna Groth schreibt dazu:
"Diese kleine Broschüre wurde bei den verschiedenen Ausstellungen in den Städten verkauft.
Das jüngste Gericht
Beschreibung dieses Bildes durch unseren Vater Eugen Groth. Er hat innerhalb von 5 Jahren dieses Bild, das in der St. Marienkirche in Danzig, und zwar in der dortigen Dorotheen-Kapelle, ausgestellt war, kopiert und war in der gleichen Größe. Das Bild hat eine Größe von 2,50 m mal 2,50 m.
[Der Text Eugen Groths liegt auch handschriftlich vor.]
Dieses Bild ist ganz getreu dem Wortlaute des Neuen Testaments entsprechend gemalt. Es heißt: Christus wird einst zum Gericht mit seinen Jüngern (Aposteln) in den Wolken sitzend erscheinen. Man erblickt Christus auf dem Regenbogen sitzend, der gleichsam Himmel und Erde verbindet.  Zu beiden Seiten sitzend sind die zwölf Apostel in den Wolken, gleichsam im Gespräch vertieft. Die Füße des Heiland des ruhen auf der Weltkugel, bezugnehmend auf die Bibelstelle worin es heißt: die Erde ist seiner Füße Schemel.
Im Goldgrunde über den Aposteln schweben vier Engel. Einer hält Hammer, Nagel, Speer und Ysop, womit Christus getränkt wurde, als er rief: "Mich dürstet!"
Der andere Engel trägt auf einem weißen Tuch die Dornenkrone. Der blaue Engel trägt das Kreuz und der vierte Engel trägt den Pfeiler, an den Christus gebunden wurde, ebenso die Geißel, womit Christus gegeißelt und den Strick, womit er gebunden wurde. Auf der einen Vorderseite erblickt man die Jungfrau Maria und auf der anderen Johannes den Täufer.

Unterhalb der Apostelgruppe erblickt man drei Engel und den vierten Engel auf der Höllenseite.
Alle vier Enkel blasen die Posaunen zur Erweckung der Toten am "Jüngsten Tage".
Auf dem Mittelbild erkennt erblickt man am Horizont den anbrechenden Morgen, und im Hintergrunde das brausende Meer, bezugnehmend auf die Stelle der Bibel, worin es heißt: Die Wasserwogen werden brausen, die Gräber tun Sich auf, und die Toten ersteigen aus den Gräbern.
Man sieht in der weiten Ferne, als auch in der Nähe das Aufstehen der Toten aus den Gräbern.
In der Mitte erblickt man den Erzengel Michael in goldener Panzerrüstung. In der linken Hand hält er, die Gerechtigkeit darstellend, die Waage.
Sein Blick ist fast gleichgültig und er verrät weder ein Mitleid mit den Verdammten noch Freude über die Begnadigten. Er steht da gepanzert, gleichsam, daß ihn nichts verletzen kann. In der linken Hand hält er die Waage der Gerechtigkeit, bezugnehmend auf die Schriftstelle, worin es heißt: "Er ist gewogen worden und zu leicht befunden!.".
So erblickt man auf der linken Seite, wie sich die Schale mit den zu leicht Befundenen hebt, und obgleich derselbe mit voller Gewalt sich schwerer zu machen sucht, und man deutlich erblickt, wie er Hände und Füße anstrengt, so daß die Schale sich umbiegt, so bleibt er denn noch "zu leicht", und der Diener erfaßt ihn am Schopf, um ihn in den Abgrund zu stürzen.
Der Begnadigte dagegen faltet die Hände, gleichsam als Dank dafür, dass er einziehen darf in das himmlische Jerusalem.

[...] 
Man schreibt dieses Bild dem Maler Hans Memling zu, es ist jedoch nicht direkt erwiesen.
Das Original ist auf Holz gemalt. Der Kopf des Gerechten, der in der Schale betend kniet, ist auf eine Silberplatte gemalt und man nimmt an, daß unter der Platte irgendeine Inschrift sei, man hat es jedoch unterlassen die Platte zu lösen, um das Original nicht zu beschädigen.

Im Jahre 1807 war das Original von den Franzosen geraubt und auf Napoleons Befehl nach Paris gesandt. Nach den Befreiungskriegen kam es zusammen mit dem Siegeswagen vom Brandenburger Tor wieder zurück, jedoch nach Berlin.
Die Berliner wollten nun das Bild nicht wieder nach Danzig zurück geben und suchten Seine Majestät König Friedrich Wilhelm III.  zu bewegen, durch seinen Machtanspruch das Bild den Danzigern zu entziehen. Jedoch seine Majestät war viel zu edel, und durch seine Gnade, empfingen die Danziger das Bild zurück.
Auf diesen Gnadenakt bezieht sich auch die Inschrift am Altar (Marienkirche). Diese lautet: "Als das Kleinod Räuber ergriffen, gab der gerechte Monarch uns das Erkämpfte wieder." –
Die Szene wie der Engel eine Teufelsgestalt, die den Auferstandenen an den Haaren ergreift, um ihn in die Verdammnis zu schleppen, mit dem Schwert zurückstößt, mag darauf hindeuten, 
daß jeder zuerst gerichtet wird ehe er seinen Lohn empfängt."

Contract
Zwischen Herrn Eugen Groth und Herrn Heinrich Laenger beide zur Zeit in Danzig ansäßig, ist folgender Contract geschlossen worden:
§1
Herr Eugen Groth welcher die Copie des Jungsten Gerichts angefangen hat, empfängt zur Vollendung derselben von Herrn Heinrich Laenger wöchentlich sechs und dreißi 36. Mark praenumerando bis zur vollständigen Vollendung des Gemäldes welche etwa Ende März 1878 geschehen sein dürfte.
§2
Die Zahlung von sechs und dreißig Mark geschieht wöchentlich jeden Montag und beginnt mit dem 9. Januar 1878.
§3
Sollte die laufende Zahlung von Herrn Laengers Seite eingestellt werden, so hat Herr Laenger die schon gezahlte Summe erst nach vierzehn Tagen der letzten Ratenzahlung zurückzufordern und hört jedes Anrecht von Seiten des Herrn Laengers am Bilde dadurch sofort auf.

[Die Vertragspartner beabsichtigten, durch die Ausstellung des Bildes die Erstellungskosten wieder hereinzubekommen und einen Gewinn zu machen, der zu gleichen Teilen verteilt werden sollte. Falls kein Gewinn zustande käme, sollte Herr Laenger das gezahlte Geld zurückfordern können und damit sein Anrecht auf das Bild verlieren. ...]

§9
Vorstehender Contract ist in zwei gleichlautenden Exemplaren ausgestellt [...]

So geschehen: Danzig am 5. Januar 1878
Heinrich Laenger Eugen Groth

[Randbemerkung: 1 Marke á 1/2 Mark kassirt [...] Stempeldistributeur]

[Hervorhebungen von Walter Böhme]

1 Kommentar:

  1. Guten Tag, ich habe Informationen gefunden, dass das Gemälde von Herrn Groth im Dezember 1877 im Stadtmuseum in Danzig ausgestellt wurde. Um einen Mäzen zu finden, hat er bereits im Januar einen Vertrag unterzeichnet, also muss es daran gelegen haben! Ich kann Ihnen die Kontaktdaten der Zeitung zusenden. Bitte kontaktieren Sie mich: magdalena.michalik@phdstud.ug.edu.pl

    AntwortenLöschen

Das Original

Das Jüngste Gericht (Hans Memling)  [Wikipediaartikel] In einer Zusammenstellung der dazu vorliegenden Dokumente schreibt Anna Groth, die ...